Fotografie

Atlantikwall 1

Die Phantasie beflügelt die Traumstärke unserer Gedanken. 

Schon bei meiner ersten Begegnung zogen mich diese surrealen Ungetüme aus Stahlbeton in ihren Bann und beflügelten meine Phantasie. Und was ich bei meinen Betrachtungen erkannte, stimmte mit keinem der üblichen Erklärungversuche des Phänomens Atlantikwall überein. Also beschloss ich, mir mein eigenes Bild davon zu machen und verknüpfte in meinen Fotografien dieser Bauwerke Emotionen und Erinnerungen aus weit auseinander liegenden Zeiträumen mit den Idealvorstellungen meiner Phantasie. Dadurch ist eine sehr persönliche Erkenntnis entstanden, die einer Wahrheit, MEINER Wahrheit, sehr viel näher kommt, als das Bild, das mir „die Realität“ zeigt.

 

Atlantikwall 2  

Chemie als Gestalter

Für die filigranen Strukturen und farbigen Akzente an den Bunker-Außenwänden sorgen chemische Vorgänge unter der Betonoberfläche. Dort erfolgt eine strukturelle Umwandlung der mineralischen Zusammensetzung des Stahlbetons. Um das hochstabile Gefüge aus Zement, Stahlarmierung und Zusätzen aufzulösen genügt — Regenwasser. Die Feuchtigkeit dringt durch zunächst mikroskopisch kleine Risse ein, die bereits beim Abbinden des frischen Betons durch austretendes Überschusswasser entstanden. 

Zunächst werden Kalk- und Silikatsedimente ausgeschwemmt, die sich in Form von weißen sinterterrassenförmigen Ausblühungen an der Außenhaut ablagern. Die eindringende Feuchtigkeit verringert das hockalkalische Klima, das bisher die Stahlbewehrung vor Korrosion schützte. 

Rost und eine damit verbundene Ausdehnung des Stahls ist die Folge. Dem zunehmenden Druck im Inneren ist die äussere Betonschicht bald nicht mehr gewachsen und sie beginnt abzuplatzen. 

Es entsteht eine strukturierte Oberfläche, die nun durchzogen ist mit hellen und orangebraunen Schlieren, an denen sich bald auch organisches Leben in Form von Flechten und Algen ansiedelt.

Reiseberichte

Reisen – Western Australia 4WD-1, Aborigines 
Carnarvon, WA, 14.02.2020
Nach einem abenteuerlichen Zwischenfall im Outback bin ich für ein paar Tage in dieser Kleinstadt an der Westküste Australiens gestrandet. Das Zusammentreffen mit den Ureinwohnern war bisher selten und wenn, dann eher unerfreulich. Das ändert sich bei einem Spaziergang an der Uferpromenade.

Es ist erst 12 Uhr Mittags. Trinken in der Öffentlichkeit ist zwar (ganz speziell für Aborigines) verboten, aber am Valentinstag wollen sich diese 12 vom Bidjara-Clan mal so richtig gut amüsieren. Man hat sich bereits ordentlich einen geballert und ist entsprechend locker drauf.

Da kommt dieser komische Vogel mit seiner Kamera gerade zur rechten Zeit. „Eeeey, Cowboy, cumon, take a picture!“ Na, diese Gelegenheit, mein schiefes Bild vom australischen Ureinwohner gerade zu rücken, werde ich mir doch nicht entgehen lassen. Man erfährt, dass der Cowboy aus Germany kommt, „Ahh, been there, in Rotterdam, played drums and Guitar!“, es gibt dicke Komplimente „I love your blue eyes.“ und es entstehen ein paar unglaublich fröhliche Bilder. Man schmeißt sich in Positur, mal der mit dem, mal die mit den anderen, mal alle mit mir und plötzlich reicht mir jemand mit Schwung meinen Kamerarucksack, der noch offen ist!!!

Ich habe kurz ein ganz schlimmes Deja Vue, was Kameraschäden betrifft, die unvermeidliche Katastrophe bleibt aber aus, denn es fällt dieses Mal nichts raus und am Schluss kriege ich sogar meine Cheapo-Sunglasses wieder. Es folgt eine wortreiche Verabschiedungsszene inklusive um-den-Hals-fallen. Küsschen-Küsschen, kann ich grade noch so vermeiden!!! Fazit: Das Leben im Fahrwasser der australischen Wohlfahrt mag angenehm sein, gesund ist es aber sicher nicht, denn für die Aborigines hier ist leider jeder Tag Valentinstag.

Porträt 1
Neuseeland, 24.03.2017

Auf unserer Reise durch Neuseeland 2017 besuchten wir an einem Samstag in Nelson auch den Handicraft Market. Hier gab es viel zu sehen, alles zu kaufen und ein paar Porträtaufnahmen von den durchweg freundlichen Kiwis kostenlos dazu.

 

Fiat Lux
Es werde Licht

Printformat dieses und aller folgenden Bilder: ca. 100 x 115 cm

Dixitque Deus fiât lux et facta est lux. (Genesis – Kapitel 1, Vers 3)
Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Mein Ansatz bei diesem Projekt ist, dem oben beschriebenen göttlichen Beleuchtungsprozess so nahe wie möglich zu kommen. Das heißt: So wenig wie möglich sichtbarer Körper, keine störende Atmosphäre (die ja auch nichts anderes ist als eine Ansammlung von ganz vielen kleinen Körpern).

Erste Überlegung
Die zu 100% reine Sichtbarkeit eines bestehenden Lichts zeigt im Idealfall nicht mehr als einen langweiligen weissen Punkt auf schwarzem Grund oder, je nachdem, wie weit weg die Lichtquelle ist und ob die Zeit ausreichte, diese Distanz zu überbrücken, vielleicht auch nur weiss oder nur schwarz (also eigentlich auch nichts). Der Zustand „Leuchten“ erlangt einen gewissen Grad an Relevanz nur dann, wenn etwas BE-leuchtet wird, und dadurch sichtbar. Außerdem sagt „Leuchten“ noch nichts über das Werden oder Vergehen des Lichts aus. 

Zweite Überlegung
Fiat Lux (es werde Licht) beschreibt den erhellenden Teil der Lichtwerdung, den Augenblick der Entstehung des Lichts, bei dem zwar schon entstehende Helligkeit sichtbar wird, aber noch nichts zu erkennen ist. Sozusagen der Moment, an dem der Schalter umgelegt wird. Ich stelle mir da all diese kleinen ahnungslosen Atome vor, die von der soeben startenden Veränderung vollkommen überrascht sind, in der Eile noch gar nicht wissen, wo ihr Plätzchen ist, und die eilig auf ihrem Weg durch die beginnende Dreidimensionalität des entstehenden Raumes sind, um die beginnende Farbe und unfertige Form in erkennbare Ordnung zu verwandeln.

Das Experiment
Ich arbeite mit möglichst durchscheinenden Materialien wie Wasser und Glas. Ich fotografiere diese Kombination in einer Langzeitbelichtung, jedoch mit Blitzunterstützung. Das Ergebnis ist ein vollkommen unberechenbares dreidimensionales Lichtspiel aus einer Bewegung heraus, in der noch nichts Gegenständliches erkennbar ist, das aber schon eine Ahnung von einem Körper in einem Raum zulässt.